Hiervon
sind aber nur noch Teilstücke vorhanden. Wenn man sich die Größe der
Anlage einmal genauer ansieht, wird man sich eingestehen müssen, dass es
sich hier nicht unbedingt um eine Wehranlage, sondern eher um eine Burg
gehandelt haben muss.
Für eine Wehranlage scheint die Fläche zu groß zu sein. Dort, wo man die
Wallfront annimmt, ist die Anlage sicher zu lang als dass hier eine
Sperranlage gelegen haben könnte. Auch fehlen hier auf der Oberfläche
Scherben oder ähnliche Zeichen einer ehemaligen Besiedelung. Die
beherrschende Lage lässt allerdings auf eine Besiedelung schließen. |
 |
Pastor Ewaldsen, der nach der Niederlage der Schleswig - Holsteiner im
Jahre 1851 sein Pfarramt in Brodersby antrat, schrieb bei der Schilderung
der hiesigen Gemarkung folgendes in die Kirchenchronik:
Eine völlige Ausnahme hinsichtlich der Terrainverhältnisse
zeigt die südliche Spitze des Kirchenspiels, Burg genant. Sie bildet ein
abgesondertes Plateau, dessen sandiger Rücken ein irreguläres Viereck
aufweist, das an Formation und Bonität weit mehr Ähnlichkeit mit dem Süden
der Schlei liegenden Missunder und Wesebyer Dorffeld hat als mit dem
Angeln. Da im Norden des Plateaus von der Großen Breite bis an das
Missunder Fährhaus und nach Erihshuus (1864 abgebrannt) sich noch ein
Wiesenstich vorfindet, ist anzunehmen. Das dass Burg in altere Zeit eine
Insel gewesen ist, was auch eine alte, in den letzten Jahren
verlorengegangene Chronik ausdrücklich behauptet". (Chr. Kock, Volks- und
Landeskunde, Seite 607.)
Burg war einst eine Insel, zumindest aber von drei Seiten mit Wasser
umgeben und gegen Norden durch einen alten Wall scharf begrenzt. Der Name
"Margarethenwall" wird auf
"de swarte Gret", d. h. die Königin Margaretha Sambiria (t 1283), Witwe
des Dänenkönigs Christopher 1. die bekanntlich in der schleswigschen
Volkssage eine bedeutende Rolle spielt, zurückgeführt.
|
Diese Volkssage berichtet, dass Margaretha wegen ihrer Liebe zu Pferden
auch "Margatetha Springhest" genannt wurde. Sie ließ die Elbe mit langen
Pfählen und einer großen Kette sperren, so dass niemand hinaus oder herein
konnte. Weiter heißt es hier, dass sie auch den Kieler und den Flensburger
Hafen versperren und "die Schlei ruiniert" (vielleicht bei Burg ?). Dazu
weist Ewaldsen daraufhin, dass:
....Jedoch ist dieser Wall gewiss älter, da es in einer alten Chronik
heißt, dass die Königin den Wall wiederherstellte ebenso wie bei dem
Dannevirke und dem Osterwall. In diese Zeit, als die letzten Werke
angelegt wurden, scheint der Margarethenwall nicht zu gehören, weil jene
Werke gegen Süden gerichtet sind, dieser aber nach Norden.
|
Zitat: "Außer
Grabdenkmälern findet man in fast allen Gegenden Deutschlands noch Zeugen
vorgeschichtlicher Zeit, welche Räuberburg, Bauernburg, Burgberg, Burgwall
oder Ringwall genannt werden. Während man sie im Binnenland den Riesen
zuschreibt, und deshalb häufig ,,Riesenburg" nennen, glaubt man an der
Wasserkante sie mit Seeräubern in Verbindung bringen zu müssen. Man meint,
die Bevölkerung habe sich hierher von den Seeräubern geflüchtet (Prof. Dr.
Marks, Volks- und Heimatkunde SH, Seite 60) ."
Margaretha hatte sicher auch
allen Grund dazu, schließlich wurde unsere Region im 11. Und 12.
Jahrhundert immer wieder von den Wenden bedroht. Ob die Wenden wirklich an
der Schlei sesshaft werden konnten ist zwar fraglich, aber nicht unbedingt
von der Hand zu weisen. Die Ortsnamen Pommerby = "pro morn" = "am Meer",
und Promoi beweisen dies. Auseinandersetzungen mit den Wenden gab es immer
wieder. Am 28. Sept. 1043 kam es zur großen Schlacht auf der Lürschauer
Heide.
Hier heißt es: "Eine Raste weit lag
die Heide mit Leichen flüchtiger Wenden bedeckt. Die Wasserläufe waren
derart mit Leichen gefüllt, daß das Wasser stockte und die Christen
trockenen Fußes hin durchgehen konnten."
|
In dieser Schlacht sollen 15.000 Wenden erschlagen worden sein. Herzog
Knud Lavard kämpft 7 Jahre später gegen den Wendenkönig Heinrich. In der
Verschanzung "nahe vor Schleswig" die er erbaut hatte, überfällt er ihn.
Der Wendenkönig überquerte zu Pferde die Schlei. Es kann sich hier nur um
eine schmale Stelle der Schlei handeln wie etwa Palörde oder Missunde,
also in unmittelbarer Nähe von "Burg". Danach fing er an für Ordnung zu
sorgen. Wüste Banden wurden durch den Galgen gerichtet. Es ist somit
verständlich, dass die Bevölkerung die Sicherheit einer rettenden Burg als
Zufluchtsort bei Gefahr wusste.
Geht man zurück in das 9. und 10. Jahrhundert, könnte eine These die
Entstehung der Schleifeste "Burg" erklären. Philipsen (Hamburg) ist der
Meinung, dass Burg der Stützpunkt einer ehemaligen Wikinger - Dynastie
gewesen ist die ihren Sitz in Haithabu hatte.
Er schreibt weiter: Nach Ewaldsen war "Burg" bis etwa 1830 fast unberührt,
eine eingehende und groß angelegte Untersuchung wäre durchaus
gerechtfertigt. Eine weitere Unterlage finden wir in den "annales Ryenses",
die bekanntlich im 13. Jahrhundert im Rüde - Kloster (dem heutigen
Glücksburg) verfasst sind, findet sich in Kapitel 90 eine Stelle, die von
König Sven Gabelbart handelt und von hier behauptet, er habe: "sein Recht
zurückerhalten von dem bei Mesund gefallenen Könige Norwegens, der sein
Reich in Besitz genommen hatte."
|
In dieser Fassung enthalten die ,,Monurnenta Germaniae historica" (Tom.
XVI pag. 392) den Chronikbericht. In anderen, vermutlich jüngeren
Handschriften der Chronik, die in dänischen Klöstern hergestellt sind, ist
aus "Mesund" "Oeresund" gemacht worden. Den Grund können wir heute leider
nicht mehr erfahren. Wichtig scheint mir für den vorliegenden Zweck auch
nur das zu sein, dass der einheimische Mönch sich in Missunde auskannte um
mit den geschichtlichen, hier vom Volke lebenden Erinnerungen Missunde als
Kampfplatz her kannte, wo Sven Gabelbart mit den ihm feindlichen Wikingern
zusammenstieß.
Demnach erhält die Belagerung Haithabus, von der die Runensteine melden,
eine neue und wichtige Bedeutung, die wir uns folgendermaßen denken
dürfen: Der König Sven (985 - 1014) kam mit seinem Heer in Booten direkt
aus England kommend in die Schlei hinein. Vor Missunde wird er sein Heer
sicher geteilt haben weil er hier auf eine erhebliche Gegenwehr stoßen
würde. So zogen Erik, sein Steuermann, und Skartha landeinwärts um das
Wehr zu umgehen, der König persönlich griff Missunde an. Wie wir wissen,
wurde Sven vor Haithabu getötet.
Der König ließ daraufhin einen Runenstein mit folgender Inschrift
aufstellen:
"Thurlf, Svens Heimgenosse, errichtet diesen Stein nach Erik, seinem
Gefährten, der Starb, da die Männer saßen um Haithabu. Er aber war
Steuermann, ein sehr guter Mann."
|
Die Inschrift des Skartha - Steins lautet:
"Sven, der König, setzte diesen Stein nach Skartha seinem Heimgenossen,
der war gefahren westwärts, aber nun starb er bei Haithabu."
Die nächste für eine Sperranlage der Wikinger in Betracht kommende
Möglichkeit wäre noch die Halbinsel Palörde, die zwischen Füsing und
Stexwig von Norden her weit in das Fahrwasser hinein vorspringt und
vielleicht einmal eine Insel war. Die Theorie wird durch den Fund der
Reste einer riesigen Sperranlage an dieser Stelle untermauert. Hierzu sind
allerdings auch Grabungen der Anlage "Burg" nötig um Zusammenhänge zu
erkennen.
Das ganze Mittelalter hindurch blieb "Burg" ohne öffentlichen Verkehrsweg
nach Brodesby oder Missunde. Nach der Einkoppelung mussten die Burger
Kätner allerhand Hecktore öffnen und schließen, wenn sie mit dem Fuhrwerk
ins Dorf wollten. Erst als 1899 das Kaisermanöver auf dem Plateau
stattfinden sollte, wurde hier Abhilfe geschaffen. So ist es nicht
verwunderlich, dass der Name nie in Vergessenheit geraten ist. In den
Kriegswirren. des 15. Jahrhunderts taucht er wieder auf, als der
Dänenkönig Erich von Pommern dem Schauenburger Herzog Heinrich von
Schleswig sein Land streitig machen wollte.
Prof. Jankuhn schreibt zu der Übernahme von Ewald Hoff durch König Erich
im Jahre 1415 über "Burg" und den Margarethenwall: "Während Ewaldsen darin
eine Schutzanlage
Waldemars I. vermutet, die erbaut war, um Vorgänge wie die Plünderung der
Nowgoroder Schiffe durch Sven Grathe (1151) unmöglich zu machen, sah
Lorenzen (De sydslesviske Befästningsvaerker i og fra Oldtiden og
Middelalderen. Aarboger 1859) darin eine Schleisperre aus der Zeit Erich
von Pommern."
|
Im Jahre 1426 war die Flotte des Dänenkönigs wieder in die Schlei
eingelaufen. Sie hatten um Schleswig eine "lange Reihe von Schanzen und
Bollwerken" errichtet. Zu den letzteren mögen wohl auch Palörde und Burg
benutzt worden sein. Als aber 1427 die Flotte der Hansestädte Lübeck,
Hamburg, Wismar, Rostock, Stralsund und Lüneburg dem Herzog Heinrich zu
Hilfe eilten, räumte König Erich alle Schleibefestigungen.
Wie oft aber mag noch "Burg" mit ihrem Dorngestrüpp für unsere Ahnen ein
Schlupfwinkel gewesen sein, als während des Dreißigjährigen Krieges im
Jahre 1627 "viel fremdes Fußvolk" über die Schlei setzte, als Wallenstein
bis vor Schloss Gottorp gelangte, als 1644 die Schweden unter Wrangel und
Torstenson "Drangsal und Plünderung über die Schlei brachten". Nicht ohne
Grund heißt hier ein Flurname der Gemarkung Brodesby "Wüstenberg".
Nach dem Friedensschluss von 1648, als die Gesandten zu Münster und
Osnabrück den letzten Punkt unter die Verhandlungen gesetzt hatten,
glaubte die Bevölkerung für lange Zeit endlich Ruhe zu finden. Aber schon
9 Jahre später begann ein neues Morden und Brennen. Mit 9.000 Reitern und
etwa 4.000 Mann Fußvolk zog der Schwedenkönig Karl X. Gustav nach der
gewonnenen Schlacht bei Warschau im Jahre 1657 gegen den König von
Dänemark vor.
Es waren kriegsgewohnte, abgehärtete Regimenter, die nach langer
Entbehrungszeit und durch ihr verwildertes Aussehen endlich Erholung vom
polnischen Feldzug suchten und hier randalierten, zerstörten und
vergewaltigten. Es waren nicht nur schwedische und deutsche Soldaten
sondern auch Türken, Tataren und Kosaken verstärkten zusätzlich die
Truppe.
|
Ähnliche Unruhen brachte der "Nordische Krieg" (1700 - 1720) als über "400
Wagen item Artillerie" hier über die Schlei gingen.
Selbst im 19. Jahrhundert wurde hier dreimal gekämpft: am 23. April 1848,
am 12. September 1850 und am 2. Februar 1864.
Jedes Mal wurde Burg als Zufluchtsort aufgesucht. So heißt es von den
Besuchern des Fährhauses: "Als die preußischen Flinten das Fährhaus
trafen, machte sich die Hausbesatzung aus dem Staube. Umpfiffen von
Kugeln, eilten sie nach Burg hinauf.
" Hier trafen sie auf weitere
Dorfbewohner.
Das Gefecht von
Missunde am 02.Februar 1864
( aus: Th. Fontane, Der Schleswig-Holsteinsche
Krieg im Jahre 1864 )
Der Zug des preußischen Corps, wie wir wissen, ging auf Missunde. Hier
sollte, um die Worte des Angriffsplanes zu wiederholen: „die feindliche
Stellung geöffnet werden, während das östreichische Corps die Hauptstärke
des Feindes am Dannewerk festzuhalten suchte“. Derselbe Tag (1. Februar),
an dem das preußische Corps die Eider passierte, hatte, wie wir im vorigen
Kapitel gesehn, auch zur Einnahme Eckernfördes geführt. Für den nächsten
Tag lautete die Disposition, zwischen dem Windebyer Noer und der „großen
Breite“ Stellung zu nehmen und den Feind aus Kochendorf und Holm zu
vertreiben.
Dieser Disposition gemäß rückte die Avantgarde um 8 Uhr vor. Sehr bald
traf Meldung ein, dass der Feind Kochendorf freiwillig geräumt und seinen
Rückzug auf Missunde angetreten habe. Schon um 8¾ Uhr konnte der Führer
der Avantgarde dem commandirenden General Prinzen Friedrich Karl melden,
dass die Tagesaufgabe erfüllt und die Linie Kochendorf-Holm im Besitz der
Preußen sei. Sofort, da es noch früh am Tage war, wurde ein Vorstoß auf
Missunde beschlossen. Es musste sich zeigen, ob der Feind gewillt sei,
wenigstens hinter seinen Schanzen Stand zu halten. Die nöthigen Befehle
ergingen. Drei Brigaden (die beiden westphälischen und die Brigade Roeder)
blieben in Reserve; die Avantgarde und die Brigade Canstein rückten vor;
schon um 10 Uhr war die Spitze der Avantgarde, Major v. Krohn vom
Füsilier-Bataillon
24. Regiments, im Angesicht von Missunde.
|
Eh wir dem Gefecht folgen, dass sich bald entspann, geben wir eine kurze
Beschreibung der feindlichen Stellung. Zunächst von Missunde selbst.
Dorf Missunde ist ein altes Fischerdorf an der Südseite der Schlei,
malerisch gelegen aber ärmlich; zwanzig Häuser bilden eine einzige Gasse,
die sich gegen die Schlei hin in einzelne Gehöfte auflöst; eine Kirche
fehlt; am Nordufer liegt das Fährhaus.
Ein Fischerdorf und doch viel genannt in der Geschichte der Herzogthümer,
von alten Zeiten her. Hier kam das Drama zwischen den „feindlichen
Brüdern“, zwischen König Erich und Herzog Abel (oft erzählt in der
Geschichte des Nordlands) zu einem blutigen Ende. Es war in der Nacht des
9. August 1250, als ein Fischerboot, drin der gefangene König Erich saß,
die Schlei hinab gen Missunde fuhr. Das Boot kam von Schloss Gottorp.
Abel, Herzog zu Schleswig, hatte doppelten Verrath auf sich geladen; der
König war sein Bruder und sein Gast. Er hatte ihn gefangen nehmen lassen,
als er beim Schachspiel saß. Nun glitt das Boot die Schlei hinunter.
Neben dem Könige saßen Tuko Boost, der Kämmerer Herzog Abels und Lauge
Gudmunsen, der wegen alten Unrechts aus Dänemark hatte fliehen müssen und
seitdem des Königs geschworener Feind war. Keiner sprach; König Erich
starrte vor sich hin, er mochte wissen was seiner harrte. Als sie an die
„große Breite“ kamen, wo jetzt Louisenlund gelegen ist, bat er, man möge
ihm einen Priester zuführen, damit er seine Sünden beichten könne. Aber
Lauge Gudmunsen ergriff ihn bei den Haaren und zwang ihn, den Hals über
den Bord des Kahns zu legen, worauf Tuko Boost ihm mit einem Beile den
Kopf von den Schultern trennte. Den Leichnam beschwerte man darauf mit
Steinen und Ketten und versenkte ihn bei Missunde in die Schlei.
|
Sechshundert Jahre vergingen seitdem und viel Blut ist seit jenem 9.
August bei Missunde geflossen, aber alles andere Blut ist vergessen neben
dem Bruderblut jenes Tages. An Herzog Abels finstere Gestalt knüpfen sich
Sagen und Märchen, so finster wie er selbst. Sie erzählen von einem Pfahl,
der in sein Grab geschlagen wurde, um den Todten drin zu bannen; bis dahin
ging er um. Er ist der „wilde Jäger“ dieser Gegenden; noch andere sagen,
er sei in die Möwen verzaubert, die auf der Möweninsel zwischen Schleswig
und Haddebye ihre tausend Nester haben. Bei Missunde aber ist das Terrain
König Erich's. Dort stand bis vor wenig Jahren die Fischerhütte, drin die
Schleifischer, als sie den König gefunden, seine Leiche zuerst
niederlegten, und mancher, der um die Zeit des Sonnenunterganges über die
große Breite hinfährt, glaubt bis diesen Tag den König Erich in rothem
Mantel treiben zu sehn, die linke Hand gen Himmel erhoben.
Viel Blut floss bei Missunde, auch noch in neuerer Zeit; 1848 hatten
Aldosser und v. d. Tann ein Gefecht hier, 1850 griff Willisen hier die
feindliche Stellung an, um Revanche zu nehmen für Idstedt. Der 2. Februar
1864 trat nun in die Fußtapfen vorausgegangener, blutiger Tage. Eh wir
aber dem Angriff auf die Missunde-Stellung folgen, fragen wir jetzt nach
dieser Stellung selbst.
Die Missunde-Stellung ist, wie schon angedeutet, ein Theil jener großen
Vertheidigungslinie, die sich von der Ostsee zur Nordsee quer durch den
Süden Schleswigs zieht. Das Centrum dieser Vertheidigungslinie, wie wir
gesehen haben, ist das eigentliche Dannewerk, den linken Flügel auf fünf
Meilen hin bildet die breite, buchtenreiche Schlei, den rechten Flügel,
auf ebenfalls fünf Meilen hin, bildet die sumpfige Eider. Mit andern
Worten, das Centrum ist durch Kunst, die beiden Flügel sind durch die
Natur vertheidigt. Aber so viel auch die Natur für die Flügelstellungen
des Dannewerks gethan hat, so hat sie doch nicht alles gethan, die Schlei
ist nicht an allen Stellen buchtenreich und die Eider nicht an allen
Stellen sumpfig; d. h. also: so vorzüglich rechter und linker Flügel
gewahrt sind, so haben sie doch ihre schwachen Punkte. Diese schwachen
Punkte liegen auf dem rechten Flügel da, wo sich passirbare Wege durch das
Sumpfland ziehn und liegen für den linken Flügel da, wo die Schlei so
schmal ist, daß es verhältnißmäßig leicht wird, sie auf Böten oder
mittelst einer Schiffbrücke zu passiren.
|
 |
Solcher schmalen Stellen (wir haben es in Nachstehendem nur mit dem
linken Flügel zu tun) hat die Schlei zwei oder drei: Missunde, Arnis,
Cappeln.
Diese drei schmalen Stellen des Meerbusens sind zugleich die drei
schwachen Stellen der Vertheidigung, so lange die Kunst der Natur nicht zu
Hülfe kommt. |
Missunder Prahm um 1864 mit Schiffsbrücke
|
|
|
Dass die Kunst der Natur diese Hülfe leistete, versteht sich
von selbst; so entstanden an den drei schwachen Stellen des linken Flügels
ausgedehnte Vertheidigungswerke, Schanzen, Wälle, Brustwehren, die bei
Arnis und Cappeln in ihrer Gesamt - Anlage noch Spuren der Hast und
Uebereilung trugen, bei Missunde aber sich zu einem Vertheidigungssystem
abrundeten, das in Plan und Ausführung, ebenso wie das der eigentlichen
Dannewerkstellung, die Bewunderung der Kenner hervorrief. Die schwache
Stelle bei Missunde war dadurch zu einer starken Position geworden; schon
1850 hatte sie sich als solche bewährt, seitdem hatten ihr die erweiterten
Werke eine gesteigerte Widerstandskraft gegeben.
|
Die Anlage bestand im Wesentlichen aus drei auf einander folgenden
Schanzenreihen, von denen zwei südlich der Schlei, die dritte Reihe
nördlich derselben gelegen war. Die Anlage war so, dass der Angreifer
unter allen Umständen zwischen das Kreuzfeuer der verschiedensten Schanzen
gerathen mußte. Waren die zwei großen Frontalschanzen der ersten Reihe
genommen, so kamen diese nunmehr eroberten, nach hintenzu geöffneten
Schanzen unter das Feuer der zweiten und dritten Reihe, und waren die vier
Schanzen der zweiten Reihe genommen, so waren die sechs Schanzen des
Nordufers immer noch stark genug, um den Uebergang über die Schlei zu
hindern. Es gab, eine tapfere Vertheidigung vorausgesetzt, nur zwei Wege,
dieser Stellung Herr zu werden: ein energischer Sturm ohne Rücksicht auf
Menschenleben oder eine superiore Artillerie. Ein Sturm lag völlig außer
Frage; eine superiore Artillerie war vorläufig nicht vorhanden. Dass der
Angriff dennoch beschlossen wurde, geschah in folgender Erwägung: zeigt
sich die Vertheidigung schwach, so nehmen wir die Position trotz ihrer
formidablen Stärke; zeigt sie sich stark, so fesseln wir den Feind bei
Missunde und gewinnen freie Hand, um bei Arnis und Cappeln überzugehn.
Wir kehren nun zu den preußischen Kolonnen zurück, die wir auf dem Marsche
gegen Missunde verließen. Die Avantgarde, fünf Bataillone stark (drei
Füsilier-Bataillone vom 24., 15. und 13. Regiment, das 1. Bataillon vom
60. Regiment und das westphälische Jäger-Bataillon) stand um 11 Uhr,
innerhalb Schussweite, in Front der Schanzen. Sie nahmen eine gedeckte
Stellung, etwas zurück gelegen von dem Gabelpunkt, wo von rechts und links
her zwei Nebenwege (die Straßen von Weseby und von der Ornumer Mühle) in
den von Cosel nach Missunde führenden Hauptweg einbiegen. Tausend Schritt
vor ihnen lagen die zwei ersten Schanzen, der Schlüssel zur Stellung;
jeder Angriff musste zunächst sich gegen diese richten.
|
Um 12 Uhr traf General Canstein mit fünf Bataillonen (drei vom 35., zwei
vom 60. Regiment) auf dem rechten Flügel ein und ging bei der Ornumer
Mühle, nachdem die Brücke wiederhergestellt war, über die Cosel-Au. Er
nahm gedeckte Stellung und stand nunmehr, etwa in gleicher Entfernung wie
die Avantgarde, den zwei großen Frontal-Schanzen gegenüber. Nur stand er
in der Flanke dieser Schanzen, während die Avantgarde in Front stand.
Zwischen der Flankenstellung der Brigade Canstein und der Frontalstellung
der Avantgarde läuft ein Höhenzug; auf diesem Höhenzuge fuhren 64
preußische Geschütze auf. Der rechte Flügel der Artillerie lehnte sich an
die Brigade Canstein, der linke Flügel an die Avantgarde. Die gesammte
Aufstellung beschrieb einen Halbkreis auf tausend Schritt Entfernung um
die großen Schanzen herum. Mitten durch die Aufstellung lief der
Cosel-Missunder Weg hindurch. Um 1 Uhr eröffneten die preußischen
Geschütze ihr Feuer. Schon um 12½ Uhr hatten die Dänen einen Vorstoß
gewagt, waren aber zurückgeworfen worden.
Der ganze Kampf dieses Tages wies drei Momente auf:
1. Ein
Infanterie-Gefecht vor Eröffnung der Kanonade.
2. Die Kanonade selbst.
3.
Einen Versuch gegen die Schanzen während der Kanonade. Bei jedem der drei
Momente verweilen wir.
|
Das Infanterie-Gefecht vor der Eröffnung der Kanonade.
General Gerlach, der mit etwa 2500 Mann, - Bataillone vom 3. und 18.
dänischen Regiment -
die Missunde-Stellung besetzt hielt, wurde unruhig als er den Angriff der
Preußen, deren erste Spitzen schon um 10 Uhr früh in Front der Schanzen
erschienen waren, sich von Stunde zu Stunde verzögern sah. Er schickte
deshalb drei Recognoscirungs-Compagnieen auf den drei mehrgenannten
Straßen vor. Aber sie kamen nicht weit. Tausend Schritt vor den Schanzen
stießen sie auf die Füsilier-Bataillone vom 15. und 24. Regiment. Die 10.
Compagnie vom 24. stürmte, unter Führung ihres Bataillons-Commandeurs,
Major v. Krohn, mit dem Bajonnett vorwärts. Der Feind suchte vergebens
hinter einem halbabgetragenen Knick Halt zu gewinnen, er wurde in die
Schanze zurückgeworfen. Ein Zug der 11. Compagnie 24. Regiments
unterstützte diesen Angriff, verlor aber hierbei seinen Führer, den
Lieutenant Hagemann, "Er fiel der erste preußische Officier, dessen
Herzblut in diesem Feldzug die Erde Schleswigs färbte". Das
Füsilier-Bataillon 15. Regiments hatte einen erheblicheren Verlust an
Mannschaften; sein Commandeur, der Oberstlieutenant v. François, wurde
schwer verwundet. Dies Infanterie-Gefecht war der Vorläufer des
eigentlichen Kampfes.
|
Die Kanonade.
Um 1 Uhr eröffneten die preußischen Geschütze ihr Feuer, 24 gezogene
6Pfünder,
24 Haubitzen, 16 Geschütze der Reserve-Artillerie. Die Dänen antworteten
aus 29 Geschützen, meist 12- und 24 Pfünder. Es war ein ungleicher Kampf,
aller Vortheil, trotz des numerischen Uebergewichts der Angreifer, auf
Seiten der Dänen. Ihre Geschütze, ohnehin von überlegenem Kaliber, standen
in gedeckten Positionen, zudem kannten sie die Distancen. Von 100 zu 100
Schritt Abstand hatten sie die Schanzen mit Kreisen umzogen, so dass sie,
mit Hülfe aufgestellter Terrain-Merkmale, jeden Augenblick wissen konnten,
auf welche Entfernung ihnen der Gegner gegenüber stand. Die preußische
Artillerie stand ungedeckt auf dem Höhenzuge und feuerte in den Nebel
hinein. Bei Beginn der Kanonade vermochte man noch die Schanzen, wenn auch
undeutlich zu erkennen, bald aber lag alles wie in Nacht und nur noch beim
Aufblitzen der feindlichen Geschütze wurden schattenhaft die Umrisse
sichtbar. Konnte man preußischerseits kaum die Schanzen selber sehn, so
sah man noch viel weniger, ob man traf oder nicht.
Endlich zeigten
aufsteigende Feuersäulen, dass das Dorf Missunde und das Fährhaus am
jenseitigen Ufer in Brand geschossen seien; man wusste nun, dass man in
der Nebelluft die Distancen weiter geschätzt hatte als sie waren, und um
endlich der Unsicherheit des Zielens nach Möglichkeit überhoben zu sein,
gab Oberst Colomier Befehl zum Avanciren. Die Haubitzbatterieen gingen bis
auf 700 Schritt an die Schanzen vor und protzten kaltblütig im
Kartätschenhagel ab. Die Haltung der Leute war musterhaft; hier fiel
Lieutenant Kipping, mit ihm 10 Mann von seiner Batterie, zwanzig andere
wurden verwundet. Ohne jede Stockung ging es weiter. Das Gedröhn war
furchtbar; wie ein Gewittersturm ging es über das Feld hin. Es war eine
Kanonade (zusammen 93 Geschütze) heftiger als in mancher großen Schlacht.
Dabei wurde mit großer Raschheit gefeuert. Eine der gezogenen Batterieen
hatte über 300 Schuß abgegeben.
|
Der Versuch gegen die Schanzen.
Während so die Artillerie die große Tagesarbeit that, gingen in Front und
Flanke Infanterie-Abtheilungen vor, um, wenn möglich, durch einen raschen
Stoß die Schanzen in ihre Gewalt zu bringen. Auf dem linken Flügel
(Avantgarde) kamen diese Versuche kaum über ein erstes Stadium hinaus. Das
Füsilier-Bataillon vom 13. Infanterie-Regiment ging vor, westphälische
Jäger folgten, aber umsonst; aller Orten, wo sie zum Vorstoß ins Freie
traten, geriethen sie unter das Kreuzfeuer der Schanzen. Das
Füsilier-Bataillon verlor beträchtlich, eine Troddel von der Fahne wurde
weggeschossen.
Günstiger schien es sich auf dem rechten Flügel (Brigade Canstein)
gestalten zu wollen. Das
2. Bataillon vom 60. Infanterie-Regiment hatte die Tête, drei Compagnieen
gingen vor; die
7. Compagnie folgte mit der neuen Fahne des Bataillons. Sie war noch in
der Umhüllung. Da klang es von allen Seiten: "Futteral ab, Futteral
ab!" und bald flatterte die Fahne im Winde. Nicht lange, so schlugen
zwei Kugeln in dieselbe ein. Ein weithin schallendes Hurrah begrüßte den
klatschenden Ton; war es doch die erste Fahne von all den neuen
Regimentern, die hier die Feuertaufe empfing. Die 5. 6. und 8. Compagnie
kamen an das Eis einer Schleibucht, dicht im Rücken der Schanze, und
unterm Kugelregen ging es über die sich biegende Eisdecke fort. Hier fiel
Lieutenant Hammer, tödtlich getroffen; die Lieutenants Lau und Bajetto
wurden verwundet, aber die Compagnieen blieben im Avanciren bis an das
Glacis der Schanze. Als sie Succurs erwarteten, kamen die Signale zum
Zurückgehn.
|
|
Es war klug, das Gefecht abzubrechen. Für eine Recognoscirung wußte man
genug. Man hatte die Stärke der ganzen Stellung erprobt, zugleich erkannt,
dass der Feind die Absicht habe, sich ernstlich zu vertheidigen. Von dem
Augenblick an, wo diese Absicht hervortrat, war es klar, dass nur ein
Sturm auf die großen Frontal-Schanzen ein Resultat ergeben konnte. Die zu
bringenden Opfer waren sicher, der Werth des überhaupt Erreichbaren aber
ungewiss. Denn mit Eroberung der ersten Schanzenreihe war, wie wir
Eingangs gezeigt haben, für Eroberung der ganzen Position erst wenig
gethan. Außerdem war es zweifelhaft, ob es möglich sein würde, die
eroberten Schanzen - die, wie wir wissen, nach hinten zu geöffnet waren -
gegen das Feuer der zurückgelegenen Schanzen der zweiten und dritten Linie
zu halten. Ein rücksichtsloses Dransetzen von Menschenleben - wenn man
sich zu einem Aeußersten entschließen wollte - stellte freilich den Sieg
mit halber Sicherheit in Aussicht; aber die Gesammtlage erheischte eben
kein Aeußerstes und dem Auge des Feldherrn boten sich rasch die Mittel und
Wege dar, mit geringem Einsatz an anderem Ort dasselbe Ziel zu erreichen,
das bei Missunde nur mit den größten Opfern zu erreichen gewesen wäre.
Beim Dunkelwerden rückten die Truppen
auf der Linie Eschelsmark, Cosel, Holm, in ihre Quartiere ein. Die im
Feuer gewesenen Bataillone hatten an diesem ersten Kampfestage, an dem
sich die Söhne der Väter werth geschlagen hatten, einen nicht
unbeträchtlichen Verlust. Doch war er gering im Vergleich zu dem heftigen
Geschützfeuer, dem sie drei Stunden lang ausgesetzt gewesen waren. Vier Officiere und 29 Mann waren todt; l65 waren verwundet, darunter 7
Officiere. Die Hauptverluste hatten das Füsilier-Bataillon vom l5.
Regiment (60 Mann) und das 2. Bataillon vom 60. Regiment (40 Mann). Die 4
gefallenen Officiere waren Lieutenant Hagemann vom 24., Lieutenant Hammer
vom 60., Lieutenant Graf v. d. Groeben vom Zietenschen Husaren-Regiment
(als Ordonnanz-Officier commandirt) und Lieutenant Kipping von der 3.
Artillerie-Brigade. Dem Oberstlieutenant v. François, Commandeur des
Füsilier-Bataillons vom 15. Regiment, hatte, wie schon erwähnt, gleich
beim Beginn des Gefechts eine Kugel die Kinnlade zerschmettert.
|
Wie ein elektrischer Schlag ging die Nachricht vom „Tag von Missunde“
durch ganz Deutschland. Man hatte jetzt den Beweis in Händen, dass es
Ernst sei. Die Schleswiger jubelten, die Holsteiner gaben den stillen
Widerstand ihrer Herzen auf. Es kam die Zeit der Gerüchte, der fliegenden
Blätter, der Kriegsanekdoten, gut und schlecht. Ein frischer Geist ging
durch die Nation.
Donnernd gegen Missunde.
Fiel der erste Schlag, wurde zu einem Anruf, zu Gruß und
Erkennungszeichen. Den Gefallenen zu Ehren klangen Lieder in allen
Landestheilen; am schönsten waren die Worte, die ein Kamerad dem
gefallenen Lieutenant Kipping (Sohn des Superintendenten in Bernau)
nachrief:
Ernsthaft im
Leben,
Heiter im Kampfe,
Standst Du im dichten
Pulverdampfe,
Immer als leuchtendes
Vorbild voran.
So bis zum Sterben
Hast Du gestritten,
Lautlos den schönsten
Tod erlitten,
Bist glorreich gestorben
Bei rühmlicher That.
|
Prinz Friedrich Karl, der sich
seinerseits am 2. Februar den Beinamen "Prinz Alltyd-Vorup"' erwarb, hatte
am Abend den ihm vorbei marschirenden Truppen zugerufen: "Ihr könnt heut
wie Männer schlafen, die ihre Pflicht gethan." "So soll es immer sein",
hatten ihm die Truppen geantwortet.
|
Einige Tage später erließ der Prinz einen Corpsbefehl, worin er des Tages
von Missunde in folgenden Worten gedachte: "Eure
Haltung im Gefecht ließ nichts zu wünschen, denn nur euer Eifer musste
gezügelt werden. Besondere Anerkennung verdient die Tapferkeit und
Kaltblütigkeit unserer braven Artillerie. Der 2. Februar bleibt für sie,
die einen ungleichen Kampf rühmlich bestand, auf immer denkwürdig." Es
wird genügen zu sagen: "Ich bin ein Kanonier von Missunde", um die Antwort
im Vaterlande zu hören: "Siehe da, ein Tapfrer!" Soldaten, ich werde die
Namen der besonders Tapferen und Derer, die uns wichtige Dienste geleistet
haben, aus allen Waffen, dem Könige nennen."
|